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Aktuelles

11. Juni 2021, 16.30 Uhr - 12. Juni 2021, 19.00 Uhr
24103 Kiel, Landeskirchenamt Kiel, Dänische Str. 21

Orte des Widerspruchs?

Gedenkstättenarbeit und Erinnerungskultur zwischen Demokratieerziehung, Erinnerungszwang und Staatsraison


Akademie-Studienleiter/in: Dr. Stephan Linck>

Teilnahmegebühr: 15 Euro

Studienleitung: Dr. Stephan Linck >

In Kooperation mit Dr. Ulrike Jureit von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und mit Prof. Dr. Karl Heinrich Pohl von der Universität Kiel

Programm >

Teilnahmebeitrag: 15 Euro

Anmeldung >

 

Hinweise zur Veranstaltung unter den Bedingungen von Covid 19

Informationen dazu gibt es hier > und bei Akademie-Studienleiter Stephan Linck >

Anmeldung nicht erforderlich

Wer in den 1980er Jahren prognostiziert hätte, dass einige deutsche KZ-Gedenkstätten dreißig Jahre später mittelständischen Unternehmen mit millionenschweren Investitionshaushalten ähneln würden, der wäre wohl, um es milde zu sagen, nicht nur auf Skepsis gestoßen. Zweifellos hat es in Deutschland lange gebraucht, bis sich Staat und Gesellschaft der Verantwortung für die Massenverbrechen während des Nationalsozialismus gestellt haben und sicherlich lässt sich auch heute noch kein einheitliches Bild der deutschen Gedenkstättenlandschaft zeichnen. Aber dennoch: Was in den letzten drei Jahrzehnten erinnerungskulturell und gedenkpolitisch geschehen ist, ist höchst beachtlich – sollte aber trotzdem kritisch betrachtet werden.

Nach jahrelangen politischen und immer wieder auch erfolglosen Kämpfen seitens der Opfer- und Verfolgtenverbände und zahlloser Initiativen gehört das institutionalisierte Gedenken an die Opfer der NS-Herrschaft mittlerweile zur deutschen Staatsräson, allerdings mit der Folge, dass u.a. die Art und Weise sowie die Ziele des Gedenkens vielfach einer staatlichen Regie unterworfen sind. Staat und Parteien steuern nicht zuletzt wegen der finanziellen Zuschüsse in erheblichem Maße das Gedenken an die Opfer der NS-Herrschaft. Diese Entwicklung hat Konsequenzen. Da das Holocaust-Gedenken heute zum elementaren Selbstverständnis der Bundesrepublik gehört, wird "Erinnern" generell als staatstragender, geradezu positiver Wert herausgestellt und konformes geschichtspolitisches Engagement gefördert. Nach dieser Logik kann die Einübung erwünschter Gedenkforme(l)n bildungspolitisch gar nicht früh genug beginnen. 

Da am Holocaust-Gedenken nun offenbar nicht weniger als die Verteidigung unserer Demokratie hängt, scheint eine grundsätzlich kritische Auseinandersetzung über dessen Sinn, Form und Inhalt kaum noch nötig (und manchmal auch nicht erwünscht) zu sein. Jegliches Reden über Vergangenheit, vor allem über die des "Dritten Reiches", wird zudem als moralisch wertvolles Erinnern missverstanden. Die Tagung will einen kontroversen Dialog über Konzeption, Praxis und Bildungsziele der Gedenkstättenarbeit initiieren, die Aufarbeitungsgeschichte des Holocaust besonders am Beispiel Schleswig-Holstein reflektieren und die Normativität historischen Erinnerns kritisch diskutieren. Dazu wird es mehrere Vorträge, Impulsreferate und Diskussionsrunden geben.

 

 

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